121. Die „AZ“ berichtet am 14. August 1978
Bootspartie auf Attersee endete mit fünf Toten (C. W.)
Seefeld. Eine anfangs so lustige Ruderpartie auf dem Attersee nahm Sonntag nacht für fünf junge Leute aus Tirol und Oberösterreich ein entsetzliches Ende: Mitten auf dem See kenterte das Boot und alle acht Bootsinsassen stürzten in das kalte Wasser. Drei junge Frauen konnten sich schwimmend retten, die anderen fünf ertranken. Keiner der Ertrunkenen ist älter als 25 Jahre. Ihre Leichen wurden bis Sonntag abend noch nicht gefunden.
Die drei Männer und fünf Frauen hatten das erste Mal um 23.30 Uhr den See mit ihrem Ruderboot überquert. Sie kamen aus Stockwinkel, wo sechs der acht Tiroler, die im Gasthaus Stadler ihr Ferienquartier hatten, und setzten nach Seefeld, Gemeinde Steinbach, über. Der Attersee ist an dieser Stelle ungefähr 1,5 Kilometer breit.
In Seefeld gingen die acht jungen Leute ins Gasthaus Föttinger am Segelsteg und blieben dort bis zur Sperrstunden. Wie die Wirtin der AZ versicherte, war keiner der acht betrunken.
Gegen ein Uhr machten sie sich fröhlich auf den Weg. AZ-Ombudsmann, der auf dem Campingplatz gerade seine Ferien verlebt, hörte die jungen Leute noch als einer der Letzten: „Ich wurde gegen ein Uhr wach. Da waren die Burschen und Mädchen noch in der Nähe des Segelstegs. Ich hörte sie im Wasser plätschern und lachen.“Minuten später geschah das entsetzliche Unglück.
Wenige hundert Meter vom Ufer entfernt kenterte das mit acht Menschen total überlastete Boot. Wahrscheinlich hatten die Insassen zuviel geschaukelt. Kurz vor zwei Uhr gelangte Aloisia Maria Hütz (21) aus Fieberbrunn, Tirol, erschöpft und unterkühlt bei Seefeld ans Ufer und alarmierte den Campingplatz-Betreuer, der dann Polizei und Rettung rief. Eine halbe Stunde später erreichte dann auch Hildegard Fleckl (19), ebenfalls aus Fieberbrunn, das Ufer. Etwas später fischte ein Rettungsboot die total erschöpfte Angelika Eder (21) aus Hochfilzen, Tirol, aus dem Wasser. Von Helga Schattner (24), Roswitha Petauschnig (19) und Johann Egger (25); alle aus Fieberbrunn, sowie vom Windsurf-Lehrer Franz Dietcher (25) und Josef Resch (21), beide aus Nußdorf, fehlt jede Spur. Man glaubt nicht, die Opfer noch lebend zu finden.
Da der See sehr ruhig war und der beleuchtete Segelsteg vom Unglücksort zu sehen gewesen sein muß, bleibt unklar, weshalb die fünf, die bis auf einen alle Schwimmer waren, ertrunken sind. Man vermutet, daß der Nichtschwimmer vielleicht einen oder zwei seiner Kameraden, die ihn retten wollten, mit in die Tiefe riß.
Category: Attersee, Presseartikel | Tags: Attersee, Ertrinken, Tauchen, Tod Comment »
